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Quellenhinweis: DELMENHORSTER KURIER (BREMER TAGESZEITUNGEN AG)
Fernsehen für Schunkler und Mitklatscher
Der Delmenhorster Jürgen R. Grobbin hat den Zielgruppensender "Volksmusik TV" erfunden
Von Andreas D. Becker
Delmenhorst. Volksmusik ist nicht gleich Volksmusik, das ist die erste Lektion. Im Grunde bietet
Jürgen R. Grobbin auf seinem Fernseh-Kanal "Volksmusik TV" gleich vier verschiedene Musikrichtungen, also Spartenkanäle, an: Volksmusik, volkstümliche Musik, Schlager und Popschlager. Fans dieser Musikrichtungen unterscheiden da sehr genau. Zielgruppen-Fernsehen nennt der Delmenhorster das, was er macht. Ein boomender Zweig auf dem Fernsehmarkt, jedem das seine, individuell zugeschnitten, man schaltet das Gerät ein und es kommt genau das Angebot, was man haben möchte.
"Es gibt mittlerweile zig solcher Fernsehkanäle", sagt Grobbin. "Und auch ,Sky' macht im Grunde nichts anderes." Sender, die nur Tier- oder Geschichtsdokumentationen zeigen, existieren genauso wie das Spartenmusikprogramm - das erste dieser Art war der amerikanische Sender MTV, auch wenn der sich mittlerweile von seinem Ursprungskonzept verabschiedet hat und nicht mehr rund um die Uhr nur Musikvideos zeigt. Aber da hat Grobbin einen Vorteil: die treue Zielgruppe.
Normalerweise, da muss man sich nichts vormachen, werden die Volksmusikanten immer mit einem schiefen Lächeln bedacht, nicht nur von den ernsthaften Kollegen, die Klassik oder Jazz produzieren, sondern selbst von den anderen Unterhaltungs-Kollegen. Zumindest wenn es um die musikalische Komponente, das Künstlerische geht. Aber wenn die Volksmusiker und Schlagerfuzzis auf ihre CD- und Fanartikel-Umsätze zu sprechen kommen, dann schweigt der Rest. "In diesem Segment werden noch CDs verkauft", sagt Grobbin. Und wo gekauft wird, wird auch noch fleißig geguckt. So lautet zumindest die Grundthese, die so falsch nicht zu sein scheint.
Auf die Idee mit dem Nischenangebot kam Grobbin in den USA. "Ich bin Anfang 2000 für zwei Jahre in die Staaten gegangen und habe mir dort angeschaut, wie man Sparten- oder Zielgruppen-Fernsehen produziert", erzählt der gebürtige Delmenhorster, der mittlerweile in Syke lebt und nur noch sein Büro - also die Senderzentrale - in Delmenhorst hat, hinter dem Kiosk seiner Mutter. Von den Amis lernen, heißt immer noch, von den Besten lernen. Zumindest im Fernsehgeschäft. Zuerst mischte Grobbin dann in Deutschland beim Shopping-Kanal "Lifestyle TV" mit, bei dem zum Beispiel Harry "Aber nicht überbieten" Wijnvoord Crèmes und Tinktürchen anbot, gedreht wurde unter anderem auf dem Delmenhorster Gut Hasport. "Doch "Lifestyle TV" setzte sich nicht durch. "Dann haben wir uns gefragt: Welche Zielgruppe wollen wir? Wer schaut überhaupt noch fern? Ganz klar: Die, die schlager- und volksmusikaffin sind." Und das sind nicht nur diejenigen, die die Werbebranche "Silver Agers" nennt. "Auch 20-Jährige lieben Schlager", weiß Grobbin, der selbst gern und viel Schlager hört.
Einen kleinen Spartensender wie Volksmusik TV darf man sich dabei nicht wie eines der großen Häuser wie die ARD oder RTL vorstellen, die an wenigen Orten konzentriert in riesigen Studiokomplexen alle Sendungen aufnehmen. "Wir arbeiten mit rund zehn Produzenten in ganz Deutschland und Österreich zusammen, die für uns die Sendungen produzieren." Die Shows, die dabei herauskommen, heißen "Hafenbar", "Musikparadies" oder "Wenn die Musi kommt". Das meiste davon wird live vor Publikum aufgezeichnet, Klatschen und Schunkeln inklusive. In Delmenhorst laufen dann die Fäden organisatorisch zusammen, das "technische Department ist in MÜnchen-Unterföhring, die Sendeantenne zum Satelliten steht in Turin", erzÄhlt der Geschäftsführer.
Zu sehen wiederum ist der Sender noch nicht in ganz Deutschland, jedenfalls nicht so ohne Weiteres. Im Grunde kann ihn jeder, der eine Satellitenschüssel hat, in einem Paket mit anderen Sendern abonnieren, was allerdings auch kostet. "Wir können uns nicht ber Werbung finanzieren", gibt Grobbin zu, gerade die großen Firmen suchen die breite Masse und nicht ein derart exakt zugeschnittenes Publikum. Zudem ist Volksmusik-TV in einigen Bundesländern im Kabelpaket mit drin, aber eben noch nicht überall. "Jetzt sind wir gerade in Köln mit ins Programm genommen worden. Und in Delmenhorst kann man uns in allen Wohnungen der GSG sehen."
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